Hochsitz Teil 1

31. August 2026

Ich bin direkt in der ersten Arbeitswoche mit mehreren Projekten gestartet: dem Erstellen von Arbeitskleidung für das YOLU-Team, einer Datenvisualisierung zum Ressourcenverbrauch von KI und der Umgestaltung eines Bereiches im Effinger.

In diesem Blogpost geht es um mein Projekt zur Umgestaltung eines Bereiches im Effinger.

Der Anfang

Ich habe in den Sommerferien eine Woche als Host im Effinger gearbeitet. In dieser Zeit ist mir im 1. OG bei der sogenannten «kleinen Schanze» ein Holzkonstrukt, welches eine kleine Besprechungsnische bildet, aufgefallen.

Bild der Ausgangssituation, "kleine Schanze"

Es sah aus, als wäre es begehbar, denn an der einen Seite dieses Konstruktes waren blaue Klettergriffe angebracht. Ich habe mich also in meiner ersten Arbeitswoche mit Alma (einer Arbeitskollegin) auf diesen «Hochsitz» getraut. Oben lagen zwei grosse Sitzsäcke, die noch gut in Form zu sein schienen. Wir haben schnell gemerkt, dass dieser Ort sehr gemütlich sein könnte, weil man sich einerseits erhöht aufhält und so die Übersicht über den Raum hat und es andererseits um die gesamte Plattform ungenutzte Vorhänge gibt, die man schliessen könnte, um so eine Art Abschirmung von der Aussenwelt zu erzeugen. Was sich aber auch schnell bemerkbar machte, war der Staub, der sich über die Jahre dort angesammelt hatte. Wir haben uns erst mal dazu entschieden, alles gründlich vom Staub zu erlösen und dann erst über das weitere Vorgehen zu diskutieren. Während des Abstaubens ist uns aufgefallen, dass die Telefonboxen kein geeigneter Übergang zwischen der breiten und der schmalen Ablage sind; also wurde eine Leiter organisiert und platziert.

Nach dem Entstauben haben wir uns ca. eine Woche lang hin und wieder dorthin verzogen, um von dort aus zu arbeiten. Das stellte sich als sehr gemütlich heraus.

Alma und ich tauschten uns in dieser Zeit immer mal wieder über einige Ideen aus. Wie könnte man den breiten Teil mit dem schmalen verbinden? Sollen wir eine Art flexibles Beistelltischchen anschaffen? Oder soll etwas Fixes gebaut werden? Wie können wir den ganzen Platz verändern, sodass nicht nur Jugendliche diesen nutzen und nutzen möchten? Wobei, wäre es überhaupt schlimm, wenn ihn nur Jugendliche nutzen?

Eine Idee zum Ausbau

Marco (Chef) kam dann mit einer Idee: Als Verbindung zwischen den Holzkonstrukten könnte man ein Netz anbringen, welches ebenfalls begehbar wäre. Marco hat daraufhin Kontakt zum Netzknüpf-Experten Johnny aufgenommen. In einem Call mit Johnny, Marco, Alma und mir haben wir unsere Vision vorgestellt und besprochen. Alma hatte sich im Vorfeld Zeit genommen, das Bild der Ausgangssituation mithilfe von KI ein Stück näher an unsere Idee zu bringen.

Erste Visualisierung mit KI

Beim Call mit Johnny hat sich herausgestellt, dass das Netz weniger wie eine Hängematte durchhängen, sondern eher wie eine straffe Oberfläche wirken wird.

Beim Call wurden Details zu einem möglichen Besuch von Johnny im Effinger besprochen. So könnte er uns in Person das Knüpfen von solchen Netzen beibringen. Daraus entstand die Idee, dass man gleich einen Workshop für die Community machen könnte.

Nach dem Call hat sich Alma nochmals Zeit genommen, ein aktuelleres Bild zu generieren. Johnny hat uns den Auftrag gegeben, die Stabilität der beiden Holzkonstrukte zu prüfen, da das Netz eine hohe Zugkraft haben wird. Um diese Stabilität zu prüfen, haben wir einige Personen aus der Community, die handwerklich erfahren sind, angeschrieben und um Hilfe gebeten. Wir haben aber selbst schnell gemerkt, dass die Hochsitze beide nicht besonders widerstandsfähig sind. Die Idee kam auf, einen Holzrahmen zu bauen, der diesen Zug aushalten sollte. Zusammen mit einem Architekten haben wir diese Idee dann vor Ort besprochen. Beim Begutachten der Ausgangssituation haben wir vier Holzbalken mit einer Länge von vier Metern entdeckt. Diese waren mit 12 × 12 × 400 cm dick genug, um daraus einen stabilen und widerstandsfähigen Holzrahmen für das Netz zu bauen.

KI-Visualisierung mit Holzrahmen

Beim Teilen einer weiteren Version haben sich einige Personen mit Bedenken gemeldet. Das Netz würde sich in zwei Metern Höhe über dem Boden befinden, und es war kein Geländer zur Absicherung vorgesehen. Das stellte eine Gefahr dar und wäre so nicht zulässig gewesen. Also mussten wir kurzfristig neu planen, denn die Zeit wurde langsam, aber sicher knapp. Es stand sowieso noch einiges auf dem Programm, nun gab es aber noch einen grossen Punkt mehr abzuarbeiten.

Marco hat dann ein Onlinedossier zusammengestellt, mit 3D-Modell, Statik-Explorer (Rechentool), Statik-Dossier, Bauanleitung des Workshops und Betriebs- und Wartungskonzept. In diesem 3D-Modell war auch ein Geländer abgebildet. Mit diesem Geländer sah das Ganze optisch deutlich anders als erwartet aus. Es sah leider mehr wie ein Tierkäfig aus.

Marco und ich haben uns am Dienstag vor dem Workshop zusammengesetzt, um das ganze Projekt nochmal besprechen zu können. Wir haben auch die ausstehenden Aufgaben aufgeteilt, um alles Nötige bis am Freitag geregelt und geschafft zu haben.

Marco war zuständig für das Umplatzieren der Telefonboxen und den Bau des Holzrahmens sowie die Prüfung der Sicherheit. Ich habe währenddessen die Planung des Workshops am Freitag angepackt, Teilnehmende informiert, Stühle (um die Knüpftechnik zuerst an etwas Kleinerem zu üben) organisiert und einen Arbeitskollegen damit beauftragt, das Projekt (Verschieben der Telefonboxen, Bau und Platzierung des Holzrahmens und den Workshop) zu filmen, sodass wir Filmmaterial für eine Projektdokumentation haben.

Also wurden zwei Tage vor dem Workshop die Balken zugeschnitten und geschliffen und einen Tag davor die Balken auf den Holzkonstrukten platziert und angeschraubt. Dann waren die Ösen fällig: 40 Ösen, je vier Schrauben und dafür noch vorgebohrte Löcher. Parallel dazu habe ich noch den Workshop organisiert.

Der Workshop

Auf diesen Freitag haben wir hingearbeitet: den Tag des Workshops. Johnny war bereits da, als ich mit Gipfeli in den Händen im Effinger ankam. Nach dem Kaffee haben wir den Raum für den Workshop vorbereitet. Um 9 Uhr sind die Teilnehmenden eingetrudelt. Johnny hat zuerst einige Bilder seiner bisherigen Werke gezeigt, dann sind wir zum praktischen Teil übergegangen: zwei unterschiedliche Knoten, die wir ca. 15 Minuten lang geübt haben. Als wir diese Knoten auch auf dem Kopf und gespiegelt konnten, ging es zu den Basics. Zwischen den Beinen umgedrehter Hocker übten wir die Technik. Um ein Gefühl für ein Muster zu bekommen, haben wir die Gartenstühle, bei denen ich am Tag zuvor die Rücken- sowie Sitzfläche entfernt hatte, mit den sogenannten Paracords (Schnüren) umgestylt.

Dann war es Zeit für eine Mittagspause. Nach dieser Pause haben wir zuerst gemeinsam besprochen, ob wir für das grosse Netz ein Chaos-Netz oder doch ein Muster machen wollen. Wir haben uns dann für ein Chaos-Netz entschieden, da dies einfacher zu beginnen ist und sich in der Gruppe mit mehr Spass entwickeln lässt.

Den Nachmittag haben wir damit verbracht, die Basis für das Netz zu bauen. Am Anfang war ich ziemlich skeptisch, da das Ganze noch lange nicht nach einem belastbaren Netz aussah, auch wenn es nach und nach mehr Form annahm. Das Netzknüpfen ist eine unerwartet starke körperliche Anstrengung und macht müde. Deswegen und auch weil es bereits früher Abend war, wurde es Zeit, Feierabend zu machen. Während ich mit anderen Dingen beschäftigt war, haben Johnny und Marco das Statikseil für ein Geländer angebracht und ein grobes Wirrwarr-Muster geknüpft.

Am Montag habe ich weitergeknüpft und dabei viel Unterstützung von vier weiteren Arbeitskolleg:innen bekommen. Auch am Dienstag habe ich weitergemacht, nur ohne Unterstützung. Am Mittwoch dachte ich, was den belastbaren Teil des Netzes betraf, sei schon bald ein Ende in Sicht. Auch am Donnerstag habe ich teilweise mit Unterstützung weitergearbeitet. Am Nachmittag haben Marco, Alma und ich auf dem Netz eine kleine Besprechung zu diesem Projekt gemacht. Wir diskutierten über Themen wie die Beleuchtung und Farbe des Netzes sowie den Ausbau des Geländers. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt eine Bürolampe mit weissem, grellem Licht, die uns nicht so ganz überzeugte. Der Freitag wurde ebenfalls dem Netz gewidmet.

Nach über 35 Stunden Arbeit war das Netz schon um einiges dichter, allerdings noch immer nicht fertig. Also habe ich mich am Montag, Dienstag und Mittwoch wieder darangesetzt und es am Donnerstagnachmittag endlich fertiggestellt. Danach wurde das restliche Material, das Johnny uns dagelassen hatte, zusammen mit einer Kleinigkeit als Dankeschön in eine Kartonbox eingepackt und am Freitagmorgen zur Post gebracht.

Für mich stand dann mal eine Woche Ferien an. Das heisst nicht, dass dieses Projekt abgeschlossen ist, nein, es wird weitergehen...